Warum sind Flamingos rosa?
Stand: 5. Oktober 2026 · Fehler entdeckt? Hinweis senden
Flamingoküken sind das Gegenteil von Postkartenrosa. Sie tragen erst weiße, dann graue Daunen.
Rosa aus dem Futternapf
Die Farbe kommt aus dem Essen. Das Smithsonian Magazine erklärt, Tiere stellten von sich aus nur das dunkle Pigment Melanin her, viele könnten keine anderen Farbstoffe selbst bilden. Pflanzen und Algen dagegen schon. Nehmen Tiere große Mengen pflanzlicher Pigmente auf, überlagern diese das körpereigene Melanin. Winzige Algen produzieren Carotinoide, Salinenkrebse fressen diese Algen, und Flamingos fressen wiederum die Krebse. In der Leber der Vögel bauen Enzyme die aufgenommenen Stoffe zu rosa und orangen Pigmentmolekülen um. Diese lagern sich in Gefieder, Schnabel und Beinen ab. Zur selben Stoffgruppe gehört das Beta-Carotin, das Karotten ihr Orange gibt.
Ein Küken im Nationalzoo
Wie langsam das geht, zeigt ein Fall aus dem Nationalzoo der Smithsonian Institution in Washington. Dort schlüpfte am 29. Juli 2012 ein Küken, das die Pfleger von Hand aufzogen, mit einer Formel, die die Kropfmilch der Eltern nachahmt. Ins Futter mischten sie Pellets mit Carotinoiden. Bis zur Selbstständigkeit blieb das Tier in einem Aufzuchtbereich, von dem aus es die erwachsenen Flamingos beobachten konnte. Der Anlass der Handaufzucht war übrigens profan: Die Herde im Zoo, damals 63 Tiere, hatte so unregelmäßig gebrütet, dass nicht genug Nester vorhanden waren.
Mit etwa sechs Monaten zeigten sich die ersten rosa Federn. Zum ersten Geburtstag war das Gefieder hellrosa, und das kräftigere Rosa kam erst mit zwei bis drei Jahren. Diese Altersangaben stammen aus dem Bericht über dieses eine Küken, andere Tiere können etwas schneller oder langsamer sein.
Und wenn die Krebse fehlen?
Dann bleibt das Rosa nicht. Das Smithsonian Magazine schreibt, ohne Salzgarnelen würde das Gefieder mit der Zeit verblassen. Zoos kommen dem zuvor, indem sie Carotinoide wie Beta-Carotin und Canthaxanthin ins Futter mischen.
Bei anderen Vögeln funktioniert es ähnlich. Nördliche Kardinäle und Goldfinken fressen Hartriegelbeeren und bauen deren Carotinoide in ihr Gefieder ein, und ohne diese Kost würde die Farbe mit jedem Federwechsel verblassen. Kanarienvögel können kräftig orange werden, wenn sie regelmäßig Paprika oder Cayennepfeffer fressen.
Auch im Wasser gibt es das. Wildlachse nehmen über kleine Fische und Krebstiere genug Carotinoide auf, um rosa zu werden, und Nacktschnecken leuchten in den Farben der Schwämme und Nesseltiere, die sie fressen.
Quellen: Smithsonian Magazine, Smithsonian National Zoo
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