Stimmt es, dass Kaugummi sieben Jahre im Magen bleibt?
Stand: 5. Oktober 2026 · Fehler entdeckt? Hinweis senden
Sieben Jahre soll verschluckter Kaugummi im Magen kleben, so haben es viele als Kind gehört. Das stimmt nicht.
Was im Körper wirklich geschieht
Verdauen kann der Körper die Kaugummibasis tatsächlich nicht. Die Gastroenterologin Nancy McGreal von der Duke University vergleicht sie mit den unlöslichen Fasern von rohem Gemüse, Mais, Popcorn oder Samen. Verschluckter Kaugummi nimmt dieselben Wege wie anderes Essen. Der Magen leert sich normalerweise 30 bis 120 Minuten nach einer Mahlzeit, und der Rest verlässt den Körper mit dem Stuhl. Der Kaugummi bleibt dabei weder im Magen noch im Darm hängen.
McGreal sagt, sie habe bei allen oberen Magenspiegelungen, die sie bei Kindern und Erwachsenen gemacht habe, noch nie einen Kaugummiklumpen im Magen gesehen. Die Mayo Clinic bestätigt, dass die Masse weitgehend unverändert durch das Verdauungssystem wandert.
Wann es doch Probleme gibt
Ein einzelner verschluckter Kaugummi gilt als harmlos. Anders kann es bei großen Mengen aussehen. Die Mayo Clinic schreibt, dass große Mengen verschluckten Kaugummis zusammen mit Verstopfung bei Kindern schon den Darm blockiert haben. Ärzte aus Florida beschrieben 1998 in der Fachzeitschrift Pediatrics drei Kinder im Vorschulalter, bei denen verschluckter Kaugummi den Darm oder die Speiseröhre verschloss. Sie merkten an, dass die medizinische Literatur über Nebenwirkungen von Kaugummi bis dahin kaum etwas enthielt. Die Mayo Clinic rät, das gewohnheitsmäßige Schlucken zu vermeiden, vor allem bei kleinen Kindern. Wer dauernd Kaugummi schluckt und Beschwerden bekommt, sollte das ärztlich abklären lassen. Zuckerfreie Sorten können in großen Mengen durch Süßstoffe außerdem Übelkeit, Durchfall und Kopfschmerzen auslösen.
Woher die sieben Jahre kommen
Die Herkunft der Zahl ist unklar. Duke Health vermutet, dass Eltern ihre Kinder damit davon abhalten wollten, Dinge zu schlucken, die kein Essen sind. Belegt ist das nicht.
Gekaut wird seit der Steinzeit
Das Kauen selbst ist uralt. In Nordeuropa fanden Forschende schwarze Teerklumpen mit Zahnabdrücken, die ungefähr aus der Zeit zwischen 7000 und 2000 vor Christus stammen, von der Mittelsteinzeit bis in die Bronzezeit. Nach den Bissspuren zu urteilen, waren die meisten Kauenden zwischen 6 und 15 Jahre alt. Kinder haben also schon vor Jahrtausenden gekaut. Die Griechen kauten Harz des Mastixbaums, nordamerikanische Indianer Fichtenharz. Das erste Herstellungspatent für Kaugummi wurde 1869 vergeben, für Chicle aus dem Saft des Sapotillbaums.
Quellen: Duke Health, Myth or Fact, Mayo Clinic, Swallowing gum, Milov et al. 1998, Pediatrics (PubMed)
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