Schloss Gracht Erftstadt: Barockes Wasserschloss und 9 Hektar Park in Liblar
Foto: Wikimedia Commons / CC BY-SA (Erftstadt 10-2017)
Vor OrtQuelle: Redaktion erftstadt.today

Schloss Gracht Erftstadt: Barockes Wasserschloss und 9 Hektar Park in Liblar

Kurzübersicht

  • Art: Barockes Wasserschloss mit 9 Hektar englischem Landschaftspark
  • Standort: Liblar, Erftstadt
  • Errichtet: Um 1500 als Burg, 1851-1854 zum heutigen Herrenhaus ausgebaut
  • Stammsitz: 400 Jahre lang die Familie Wolff-Metternich (bis 1957)
  • Berühmtester Sohn: Carl Schurz (1829 geboren), Freiheitskämpfer 1848 und US-Innenminister
  • Heutige Nutzung: Libermenta Privatklinik (seit 2019) — Schloss nur von außen
  • Park: Frei zugänglich, Naturschutzgebiet seit 1953, Mammutbäume
  • Eintritt: Frei (Park)
  • Parken: Am Schlosspark, Liblar (kostenlos)
  • Picknick: Offizieller Picknickplatz im Park — Proviant mitbringen
  • Adresse: Fritz-Erler-Straße, 50374 Erftstadt-Liblar · Google Maps

Inhalt

Neun Hektar Park, eine der schönsten Mammutbaumgruppen Deutschlands, 400 Jahre Familiengeschichte und ein Sohn, der US-Innenminister wurde: Das Schloss Gracht in Erftstadt-Liblar ist mehr als ein barockes Wasserschloss. Es ist einer der geschichtsträchtigsten Orte des Rhein-Erft-Kreises — und sein Park ist frei zugänglich, jeden Tag.

Vom Nebenhof zum Wasserschloss: 500 Jahre Geschichte

In seinen Anfängen war Schloss Gracht kein Rittersitz, sondern lediglich ein Nebenhof des Hauses Buschfeld. Im Jahr 1433 erbte Otto von Buschfeld Haus und Hof von seinem Vater. Um 1500 entstand die zweiteilige Burganlage. Die Enkelin Ottos, Catharina von Buschfeld, heiratete 1538 Hieronymus Wolff von Metternich — und brachte das Anwesen in eine Familie, die es über vier Jahrhunderte halten sollte.

Ihr Enkel Johann Adolf I. Wolff-Metternich wurde 1633 in den Freiherrenstand erhoben und erhielt Liblar vom Kölner Kurfürsten Ferdinand als Unterherrschaft. Er begann 1658 mit dem Ausbau des Hauses Gracht zu einem repräsentativen Schloss. Seine Nachkommen setzten den Ausbau fort, bis der Stammsitz der Familie Wolff-Metternich als landtagsfähiges Rittergut eingestuft wurde.

Nachdem das Schloss während der französischen Verwaltung (seit 1795) als Lazarett gedient hatte, wurde es in ruiniertem Zustand zurückgelassen. Erst 1851 bis 1854 ließ Levin Anton Graf Wolff-Metternich nach Plänen des Kölner Architekten Johann Anton Wallee das heute sichtbare Herrenhaus errichten — der Ostflügel wurde um eine Etage aufgestockt, ein viergeschossiger Turm und ein zweigeschossiger Südflügel angebaut. Dieses Erscheinungsbild prägt das Schloss bis heute.

Im Schloss wurden mehrere berühmte Persönlichkeiten geboren. 1658 Franz Arnold von Wolff-Metternich zur Gracht, der später Fürstbischof von Paderborn und Münster wurde. Und 1829 Carl Schurz, der als Freiheitskämpfer 1848 nach Amerika floh, dort zum ersten deutsch-amerikanischen US-Senator wurde und schließlich unter Präsident Rutherford B. Hayes als US-Innenminister amtierte. Carl-Schurz-Straße und Carl-Schurz-Platz in Liblar erinnern an ihn.

Vom Goethe-Institut zur Privatklinik: Die wechselnde Nutzung

Die Familie Wolff-Metternich hatte ihren Stammsitz bis 1957. Dann kaufte die Gemeinde Liblar das Schloss. In den folgenden Jahrzehnten nutzte es eine Reihe prominenter Institutionen — das Schloss Gracht war lange ein Bildungsort:

  • Bis 1972: Das Goethe-Institut betrieb hier eine Ausbildungsstätte.
  • 1976-2004: Das Universitäts-Seminar der Wirtschaft (USW) — eine der renommiertesten Management-Schulen Deutschlands — nutzte die Räume des Schlosses. Manager aus ganz Deutschland kamen nach Liblar zum Weiterbildungs-Seminar. Michael Heuser nannte es in einem Jahrbuchbeitrag der Stadt Erftstadt ein „Glanzstück der deutschen Wirtschaft".
  • 2004-2018: Das USW wurde in die European School of Management and Technology (ESMT) integriert, die bis 2018 im Schloss residierte. Die ESMT ist eine internationale Business School mit Sitz in Berlin, die das Liblarer Erbe fortführte.
  • Seit September 2019: Das Schloss beherbergt die Libermenta Klinik, eine private Fachklinik für psychodynamische Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik. Das Schloss selbst ist seitdem nur noch von außen zu sehen — die klinische Nutzung erfordert Privatsphäre.

Der Wandel vom Rittergut über das Goethe-Institut und eine Universität der Wirtschaft zur Privatklinik zeigt die Anpassungsfähigkeit des historischen Gebäudes. Was konstant blieb: der Park. Er ist seit 1957 öffentlich zugänglich.

Der Park: Mammutbäume, Buchenhecke und englischer Landschaftsstil

Der Park von Schloss Gracht ist der Grund, warum die meisten Besucher kommen — und er lohnt sich. Neun Hektar, frei zugänglich, seit 1953 als Naturschutzgebiet (Kennung BM-001) ausgewiesen. Das ist eine der ältesten Naturschutz-Ausweisungen im Rhein-Erft-Kreis.

Der älteste Teil des Parks wurde im 17. Jahrhundert angelegt — vermutlich vom Münsteraner Gartenbaumeister Gottfried Laurenz Pictorius nach französischem Vorbild. Das barocke Gartenparterre vor dem Herrenhaus ist das reizvollste Element der Anlage. Im 19. Jahrhundert wurde der hintere Teil im Stil eines englischen Landschaftsparks umgestaltet — mit geschwungenen Wegen, Sichtachsen und Solitärbäumen.

Das Besondere: Der Park beherbergt eine Mammutbaumgruppe, die als eine der schönsten in Deutschland gilt. Die Bergmammutbäume (Sequoiadendron giganteum) wurden vermutlich im 19. Jahrhundert gepflanzt, als solche Exoten in englischen Landschaftsparks Mode wurden. Neben den Mammutbäumen gibt es alten heimischen Baumbestand und eine der ältesten Buchenhecken in NRW.

1994 wurde zur Erhaltung und Gestaltung des Parks ein Förderverein gegründet, der Baumpaten gewinnen konnte. Seit 2005 ist der Schlosspark Teil der „Straße der Gartenkunst zwischen Rhein und Maas". Ein Spielplatz im Park macht ihn auch für Familien attraktiv.

Die Straße der Gartenkunst

Schlosspark Gracht ist eine von 35 Stationen der Straße der Gartenkunst zwischen Rhein und Maas — eines grenzüberschreitenden Netzwerks historischer Gärten zwischen Nordrhein-Westfalen und den Niederlanden. Die Route verbindet barocke Schlossgärten, englische Landschaftsparks und moderne Gartenkunst auf über 900 Kilometern.

Wer dem Thema vertieft nachgehen will, kann die Route über den strasse-der-gartenkunst.de planen. Schloss Gracht ist die einzige Station im Rhein-Erft-Kreis.

Einkehr in der Nähe

Der Schlosspark selbst hat keinen Gastronomiebetrieb — aber Liblar hat gleich mehrere Restaurants in Gehweite:

Rolands Pub (Bahnhofstraße 23, 50374 Erftstadt-Liblar) — Die nächste Gastronomie vom Schlosspark: 350 Meter, 5 Minuten zu Fuß. Bar mit Küche, 4,3 Sterne, 244 Bewertungen, 10-20 €. Speisen vor Ort, kein Lieferdienst. Geöffnet bis 23:30 Uhr. rolandspub.de · Google Maps

Ristorante da Toto (Carl-Schurz-Straße 68, 50374 Erftstadt-Liblar) — Italienische Küche, die nächste Gastronomie vom Schlosspark. 650 Meter, 9 Minuten zu Fuß. 4,6 Sterne, 680 Bewertungen, 20-40 €. Speisen vor Ort und Lieferdienst. ristorantetoto.de · Google Maps

Na-ree Thai (Carl-Schurz-Straße 66, 50374 Erftstadt-Liblar) — Thailändische Küche. Direkt neben Ristorante da Toto, ebenfalls 650 Meter vom Park. 4,6 Sterne, 522 Bewertungen, 20-30 €. Speisen vor Ort und Lieferdienst.

Café am Stadtgarten (Johanna-Kinkel-Straße 2, 50374 Erftstadt-Liblar) — Café mit Kuchen, Waffeln und Frühstück. 900 Meter, 12 Minuten zu Fuß. 4,6 Sterne, 31 Bewertungen, 10-20 €. Ideal für Kaffee und Kuchen nach dem Parkspaziergang. cafe-am-stadtgarten-erftstadt.de · Google Maps

Restaurant Mamma Leone (Holzdamm 2C, 50374 Erftstadt-Liblar) — Italienische Küche. 4,7 Sterne, 463 Bewertungen, 20-30 €. Ebenfalls in Liblar, kurze Fahrstrecke.

Picknick im Park

Im Schlosspark Gracht gibt es einen offiziellen Picknickplatz — ausgewiesen auf der Karte des Parks. Wer Proviant mitbringt, kann zwischen Mammutbäumen und alter Buchenhecke picknicken. Der Park ist frei zugänglich, es gibt Bänke und Wiesen. Ein Bäcker oder Supermarkt (REWE, ALDI) ist in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar.

Wer trotzdem ans Wasser will: Der Waldbiergarten am Liblarer See (Grubenweg 8) ist 1,5 km entfernt — mit dem Auto 5 Minuten, zu Fuß eine gute Viertelstunde. Nur sinnvoll in Kombination mit einer Wanderung am See. waldbiergarten.eu · Google Maps

Praktische Tipps

Parken: Am Schlosspark Liblar (kostenlos). Der Eingang zum Park ist nur wenige Gehminuten vom Parkplatz entfernt.

Zugänglichkeit: Der Park ist frei zugänglich und ganzjährig geöffnet. Das Schloss selbst ist nur von außen zu sehen — die Libermenta Klinik nutzt das Gebäude und erfordert Privatsphäre. Bitte respektieren.

Beste Jahreszeit: Frühling und Herbst. Im Herbst färben sich die Mammutbäume und das Laub des Parks. Im Frühling blüht das Gartenparterre.

Kombination: Der Park eignet sich für eine Stunde Spaziergang. Wer mehr will, kombiniert mit dem Liblarer See (10 Min. zu Fuß) und der 6-Kilometer-Wanderung um den See. Oder mit der Seenrunde der Ville-Seenplatte (17,5 km) für einen ganzen Tag Natur.

Mehr Sehenswürdigkeiten in Erftstadt

Das Schloss Gracht ist eines von drei historischen Highlights in Erftstadt. Wer Schlösser und Burgen mag, kombiniert den Park mit der Landesburg Lechenich (700 Jahre Burggeschichte, 10 Min. entfernt) und dem Phantasialand (15 Min. entfernt).

Wer nach dem Parkbesuch ans Wasser will, ist in 10 Minuten am Liblarer See — mit Sandstrand und 6-Kilometer-Wanderung. Der Waldbiergarten dort ist mit dem Auto 5 Minuten entfernt. Der Waldbiergarten dort ist mit dem Auto 5 Minuten entfernt. Oder auf der großen Seenrunde der Ville-Seenplatte (17,5 km).

Fazit

Schloss Gracht ist der Beweis, dass Geschichte nicht in einem Museum endet. Von einem Nebenhof über 400 Jahre Adelssitz zur Universität der Wirtschaft und nun zur Privatklinik — das Schloss hat sich in jeder Epoche neu erfunden. Was konstant blieb: der Park. Mit seinen Mammutbäumen, der alten Buchenhecke und dem barocken Gartenparterre ist er einer der schön Parks des Rhein-Erft-Kreises — und er ist frei zugänglich, jeden Tag.

Häufige Fragen

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